Doktorratsprojekte Art Education

Das Institut Art Education (IAE) an der Zürcher Hochschule der Künste kooperiert mit der Abteilung für Kunst und kommunikative Praxis am Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung der Universität für Angewandte Kunst Wien und dem Lehr- und Forschungsbereich Kunst • Vermittlung • Bildung am Kulturwissenschaftlichen Institut für Kunst und Visuelle Kultur der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg bei der Entwicklung des Forschungsfeldes Art Education im Sinne von schulischer und ausserschulischer Kunstvermittlung.

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Rahmen dieser Kooperation wurde das Doktoratsprogramm Art Education gestartet.

Die Fragestellungen der in diesem Rahmen entstehenden Promotionen beziehen sich auf die Schnittstellen von Kunst und Bildung sowohl in formellen als auch in informellen Settings. Dabei umfassen und verknüpfen sie ein breites Spektrum an Methoden, von stärker empiriebasierten über künstlerische Verfahren bis hin zu rein theoriegeleiteten Arbeiten.

Doktorratsprojekte Art Education

Zwischen dem Ende der 1970er und dem Anfang der 80er Jahre ereigneten sich im kulturpolitischen Bereich in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Umbrüche. Künstler*innen forderten eine neue Positionierung in der sich wandelnden Gesellschaft. Infolgedessen wurde im Jahr 1976 der Modellversuch Künstlerweiterbildung, der Vorläufer des heutigen Studiengangs Art in Context, ins Leben gerufen. Zwei Themenkomplexe bilden den Schwerpunkt der Forschung. Zum einen geht es um die Rolle des Studiengangs in der Gesellschaft, insbesondere darum, wie die unterschiedlichen Strukturierungen verschiedener Ansätze zur Künstlerweiterbildung die politischen Verhältnisse der Zeit widerspiegeln. Zum anderen ist der Wandel des Begriffs «Kulturarbeit» ein Themenschwerpunkt der Forschung. Hier wird die Frage gestellt, ob «Kulturarbeit“ entpolitisiert ist und welche Rolle sie im Kontext einer neoliberalen Ideologie spielt.

An-Chi Cheng, Kulturschaffender. 2012-2015 Postgraduales Masterstudium am Institut für Kunst im Kontext an der UdK Berlin mit den Schwerpunkten «künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen»/«Kunst im öffentlichen Raum». In Taiwan arbeitete er kollaborativ mit NGOs und Aktivist*innen. Seine Forschung und Praxis fokussiert auf das Verhältnis zwischen Kunst, Bildung und sozialer Transformation.
Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, den im Diskurs der kulturellen Bildung so zentralen Begriff der Wirkung zu erforschen, und seine Konstruiertheit aus den verschiedenen Perspektiven beteiligter Akteure (VermittlerInnen, Institutionen, KulturpolitikerInnen, LehrerInnen, TeilnehmerInnen) zu befragen. Es soll untersucht werden, welche Erzählweisen über Wirkungen die verschiedenen Akteure produzieren und welche Konzepte von Bildung, Kunst und Kultur ihnen zugrunde liegen, um den Wirkungsbegriff unter Einbeziehung dieser Perspektiven im Sinne einer kritischen Kunstvermittlung zu rekonstruieren. Ausgangspunkt für diese Untersuchungen bildet das Programm Kultur macht Schule des Kantons Aargau.

Anna Chrusciel ist seit Mai 2009 am Institute for Art Education. Sie ist verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung des Programms Kulturvermittlung von Pro Helvetia und das Forschungs- und Entwicklungsprojekt des Aargauer Programms Kultur macht Schule. Ausserdem ist sie Initiatorin von The Big Draw Berlin, einem Festival, das sich der Vermittlung des Zeichnens widmet. Nach dem Studium der Wirtschaftskommunikation arbeitete sie im Bereich Marketing für das Jüdische Museum Berlin.
Kern des Dissertationsvorhabens ist der Versuch einer Kritik an der (Deutsch-)schweizerischen Kulturpublizistik aus der Perspektive Postkolonialer Theorie hinsichtlich der Reproduktion von Rassismus, Exotismus und Othering. Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz aus Theorie und Praxis. Ausgangslage dafür ist ein Unbehagen, als Journalistin Teil hegemonialer visueller und sprachlicher Repräsentationen zu sein und im eigenen Schaffen Stereotypen über das ‚Fremde’ und ‚Andere’ weiter zu reproduzieren. Ziel der Arbeit ist es, Strategien für eine alternative Schreibpraxis zu entwickeln, in deren Rahmen obengenannte Repräsentationen reflektiert und gebrochen werden sollen.

Katharina Flieger ist Kulturschaffende, freie Kulturjournalistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Art Education. An der ZHdK studierte sie Theorie (Bachelor of Arts) sowie Kulturpublizistik (Master Art Education). Sie lebt und arbeitet in Winterthur und ist unter anderem für diverse Kulturformate wie SRF Kultur, das Winterthurer Kulturmagazin Coucou und das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten (Print, Online und TV) tätig.
Aus queer-feministischer Sicht geht das Projekt der Frage nach, wie Un_Sichtbarkeiten gesellschaftlich verhandelt werden können. Hybrid angelegt, sucht es dabei je nach Teil essayistisch, künstlerisch-forschend oder unterrichtend-reflektierend nach Inszenierungen für konkrete Kontexte, die mit kritischer Kunstvermittlung in Verbindung stehen. Es ist Teil der Forschungsgruppe „Zeichenwerkstatt“, die sich dafür interessiert Kulturanalyse als künstlerische Praxis zu denken und zu praktizieren.

Simon Harder, Kunstvermittler, seit 2012 wiss. Mitarbeiter im Projekt Zeichenwerkstatt am Institute for Cultural Studies in the Arts (ICS), ZHdK, bis 2015 Praxisforschender im Projekt Kalkül und Kontingenz am IAE, seit 2011 Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule Olten. Studium: Master of Art in Art Education mit Vertiefung bilden & vermitteln, ZHdK, 2012; Diplom zum Vermittler für Gestaltung und Kunst im sozial und sonderpädagogischen Bereich, ZHdK, 2008. Das Promotionsprojekt wird am ICS durch den SNF gefördert.
Im Zentrum des Vorhabens steht die Frage, welchen semantischen Möglichkeitsraum der Begriff der Vermittlung für eine Theoretisierung der Kunstvermittlung herzustellen vermag. Methodisch orientiert sich das Vorhaben zwischen Begriffsgeschichte (Koselleck 1972; 2006) und funktionaler Analyse (Luhmann 1972; John 2010) und schließt insofern sowohl eine historische, als auch eine synchrone Bewegung mit ein. Die historische Bewegung bezieht sich insbesondere auf Entwürfe des Vermittlungsbegriffs in der Philosophie des deutschen Idealismus, die bis heute wirksam sind, im Rahmen von Kunstvermittlungstheorien aber bisher nicht aufgearbeitet wurden. Die synchrone Bewegung untersucht die Funktion von Vermittlung in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen, um von dort aus zu fragen, was der Begriff der Vermittlung im Spannungsfeld zwischen Kunst und ihrem Publikum zu leisten vermag und was nicht.

Alexander Henschel ist Kunstvermittler in Theorie und Praxis. 2008-2010 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und seit 2010 am Seminar für Kunst, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik der Universität Oldenburg. Der Begriff der Vermittlung im Kunstkontext sowie Vermittlung als ästhetische Praxis sind dabei Schwerpunkte in Lehre und Forschung.
Gegenstand der geplanten Arbeit ist die Vermittlung in ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum. Wie positionieren sich aktuelle Diskurse und Praktiken der Vermittlung in ethnologischen Museen zur postkolonialen Kritik an der Institution Völkerkundemuseum? Ziel des Vorhabens ist, im Austausch mit der Praxis sowie in Auseinandersetzung mit Literatur aus dem Feld postkolonialer Theoriebildung zu diskutieren, welche Möglichkeiten diese Museen für eine dekolonisierende, antirassistische Vermittlungspraxis bieten.

Nora Landkammer ist Kunstvermittlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Art Education, ZHdK. Studium Kunst und Kommunikative Praxis sowie Hispanistik; Tätigkeit in der Vermittlung bei der documenta 12 und in der Kunsthalle Wien. Sie arbeitet am IAE in Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Feld Vermittlung in Museen und Ausstellungen und in der Lehre im MA in Art Education, Vertiefung ausstellen&vermitteln.
Das Forschungsvorhaben bezieht sich auf die Ausbildung der Fachzeichenlehrerinnen und Fachzeichenlehrer in den 1970er-Jahren in der Deutschschweiz mit Schwerpunkt Basel. Ziel der Untersuchung ist es, auf Basis der Curricula und der Debatten um curriculare Setzungen und ihre Revision, Themen des kunstpädagogischen Diskurses in der Schweiz identifizieren und beschreiben zu können. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass sich ein Curriculum als Projekt der Homogenisierung aus historisch und konzeptuell heterogenen Anteilen zusammensetzt. In diskursanalytischer Perspektive soll die ahistorische ‚Einheit’ des Curriculums durch das Aufzeigen von Brüchen und Widersprüchlichkeiten in Frage gestellt und eine Differenzierung resp. Kontextualisierung der curricularen Elemente auf der Basis historischer Referenzen vorgenommen werden. Auf einer zweiten Ebene geht es zudem um die Frage, wie und mit welchen Mitteln curriculare Inhalte als gültiges Wissen und Wahrheit behauptet wurden, sowie um die Darstellung der institutionellen und historischen Bedingungen, unter denen Akteure an der Debatte um das Curriculum beteiligt waren.

Anna Schürch arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Art Education und als Dozentin im Bereich Fachdidaktik am MA in Art Education, Vertiefung bilden & vermitteln an der Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK. Studium Lehramt für Bildende Kunst sowie Kunstwissenschaft in Basel. Arbeitsschwerpunkte: historische und aktuelle schulische Kunstpädagogik.
Der Ziel meines Dissertationsvorhabens ist zu untersuchen, wie koloniale Gouvernementalität die formelle Kunstbildung im Protektorat Uganda (1935-1962) prägte. Ich möchte ihre Rolle in Prozessen der Subjektivierung und in den ästhetischen Diskursen analysieren, die im Kontext der kolonialen Bildung entstanden, und den andauernden Einfluss der kolonialen Gouvernementalität auf Diskurse über Kunst und Kunstbildung im gegenwärtigen Uganda herausarbeiten.

Emma Wolukau-Wanambwa arbeitet als Künstlerin mit einer Vielzahl von Medien, die Installation, Sound, Video, Fotografie, Drucktechniken, Zeichnung und Text umfassen. Seit 2011 forscht sie zum Erbe des britischen Kolonialismus in Ostafrika, u. a. zur Geschichte der Kunstausbildung in Uganda. Sie arbeitet mit dem IAE in den Projekten Decolonizing Artistic Education (Kooperation mit der Nagenda International Academy of Art & Design (NIAAD), Uganda) und Art.School.Differences zusammen.