Verena Faißt
Staging the white elephant that remains overlooked

Der Sinn eines künstlerischen Doktoratsprogramms besteht wohl zumeist darin, über die traditionellen wissenschaftlichen Gepflogenheiten hinaus auch künstlerische Methoden als eigenständige Mittel zum Erkenntnisgewinn zu etablieren und fruchtbar zu machen.

Dabei stellt sich schnell die Frage, was diese künstlerischen Methoden überhaupt sein können. Wann, wie und von wem wird ein künstlerischer Prozess oder/und seine Resultate als solche anerkannt, rezipiert und bewertet?

Obwohl die Regeln der Kunstwelt etwas nebulös erscheinen, so gibt es doch überraschend konkrete und meist unüberwindliche Grenzen des sogenannten Kunstbegriffs.

Weniger, was die Inhalte betrifft – Kunst bricht eingefahrene Wahrnehmungsmuster auf und vermag es, viele blinde Flecken unserer Gesellschaft in den Blick zu nehmen.

Aber ich spreche von einem Tabu im Kunstfeld selbst:

Die Luft wird schon dünner, wenn die künstlerische Arbeit keinem singulären Künstlergenie (sic!) zugeschrieben werden kann, sondern einer multiplen AutorInnenschaft. Noch schwieriger wird es, wenn es sich dabei zumindest teilweise um Laien handelt. Wenn diese Laien dann auch noch Kinder oder Teenager sind und das Projekt vielleicht sogar in einer Schule stattfindet, springen schlagartig alle Scheuklappen noch so freier Geister nach vorne:

Es gibt natürlich KünstlerInnen, die als LehrerInnen arbeiten. Deren Arbeit mag unter Umständen als ambitionierte Kunstvermittlung Anerkennung finden. Aber sicher nicht als legitime Kunst im Kunstfeld – weder die Arbeit der KünstlerInnen-LehrerInnen, die einen kreativen Prozess der SchülerInnen ermöglichen, noch die Resultate dieses Prozesses. Das ist ein Problem. Und es ist schlichtweg falsch.

Es ist eine eigenständige künstlerische Praxis, eine kollektiven kreativen Prozess zu ermöglichen, zu inspirieren und zu begleiten. (Die Klischee-Vorstellung einer BE-Stunde, während der die SchülerInnen in erster Linie aufgefordert sind, das künstlerische Produkt eines “Meisters” zu kopieren hat damit natürlich wenig zu tun.) Pädagogischer und künstlerischer Anspruch sind kein Widerspruch – im Gegenteil.

Darüberhinaus können in derartigen kreativen Prozessen kollektive künstlerische Arbeiten entstehen, die auch als solche rezipiert werden sollten.

Durch die Diskreditierung dieser künstlerischen Praxis entgehen Kunst und gesellschaftlichem Diskurs spannende, inspirierende Erkenntnisse und relevante Beiträge.

Im Rahmen des Doktorats am Zentrum Fokus Forschung möchte ich daher Möglichkeiten finden, die Arbeiten, die in meiner Kollaboration mit Kindern und Jugendlichen entstehen, als vollwertige künstlerische Arbeiten zu präsentieren, die einen Platz im sozialen, politischen und künstlerischen Diskurs verdienen, als Artikulation von fraglos vollwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft.

In Zusammenhang mit diesem Ziel möchte ich auch meine künstlerischen Methoden (er-)klären und weiterentwickeln. Ich reflektiere meine Rolle als professionelle Künstlerin im pädagogischen Kontext und gleichzeitig meine Position als pädagogisch arbeitende Künstlerin im Kunstfeld.

Tutorin: Barbara Putz-Plecko

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Videostills aus MAMIHLAPINATAPAI (2017)