Der Fürst des Fests. Hölderlin als Dichter der intellectualen Anschauung

Mag.phil. Zeynep Türel

 

Abteilung: Institut für Kunsttheorie und Philosophie
Beginn: WS 2016
Betreuer*innen: Helmut Draxler, Antonia Birnbaum

Friedrich Hölderlin ist nicht nur exzellenter Kenner der philosophischen Tradition und der Debatten seiner Zeit, sondern auch und vor allem eigenständiger Denker, DichterPhilosoph.

Ein wesentlicher Ausgangs- und Anknüpfungspunkt seiner philosophischen Überlegungen und Konzepte ist das Werk Fichtes, insbesondere die Konzeption des absoluten Ich bzw. der intellektuellen Anschauung – Hölderlin spricht von einer intellectualen Anschauung -, deren Kritik Ursprung, Zentrum und Movens weitreichender Gedanken ist.

Im Wesentlichen besteht Hölderlins Fichte-Kritik darin, dessen Konzeption des absoluten Ich, der intellektuellen Anschauung als bloß formal und leer anzusehen. Nach Hölderlin vermag Fichtes Konzeption, das Sein des Ich, der Tathandlung, der intellektuellen Anschauung nicht zu fassen. Auch gelangt das Ich in der Konstruktion der intellektuellen Anschauung nicht zu sich selbst. Dies ist für Hölderlin im Gedicht, das als eine Selbst(re)produktion der poetischen Individualität begriffen wird, realisiert.

Mein Vorhaben ist von der Vorstellung eines Umschlagens der Philosophie in Poesie, wie es im Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus skizziert ist, geleitet und umfasst im Wesentlichen drei Momente; die ersten beiden Momente haben hinführenden Charakter; erst im dritten Moment liegt der inhaltliche Schwerpunkt.

Zunächst werden unter Berücksichtigung der oben angeführten Kritik sowie Hölderlins eigener Ansätze einer Konzeption der intellektuellen Anschauung dessen Theorieansätze einer intellektuellen Anschauung (re)konstruiert. Anhaltspunkte hierfür sind Seyn, Urtheil, Modalität, wonach die „intellectuale[] Anschauung“ als die ursprüngliche Einheit von Subjekt und Objekt gilt, sowie die poetologischen Fragmente, in welchen, vereinfacht gesagt, die Ansicht vertreten wird, dass die intellektuelle Anschauung die „Einigkeit mit allem [ist], was lebt[.]“

Das zweite Moment ist die Betrachtung des Verhältnisses der Konzeptionen der intellektuellen Anschauung Fichtes und Hölderlins – unter Berücksichtigung der jeweiligen Lesearten der für den gegenständlichen Kontext relevanten Texte Platons, Spinozas und Kants, mit besonderem Augenmerk auf das Verhältnis von Kritik der reinen Vernunft und Kritik der Urteilskraft.

Das dritte und wichtigste Moment schließlich ist eine Darstellung dessen, wie sich Hölderlins Konzeption der intellektuellen Anschauung insofern in dessen dichterischem Werk widerspiegelt, als einzelne Werke als (Selbst)Darstellungen der intellektuellen Anschauung betrachtet werden können.